Forschungsprojekte

Zu den Aufgaben eines Museums gehört neben dem Bewahren des Gesammelten auch dessen Erforschung mit dem Ziel der Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse. An dieser Stelle stellen wir Ihnen jüngst abgeschlossene oder aktuell laufende Forschungsprojekte und ihre Ergebnisse vor.

 

Aktuell

Stifter und Schenker waren und sind für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seit seiner Gründung von großer Bedeutung. Rund 900 Einzelpersonen und Institutionen übergaben dem Museum in den vergangenen mehr als 130 Jahren Schenkungen verschiedenster Art und unterschiedlichsten Umfangs.

Eine mehrteilige Ausstellungs- und Publikationsreihe, initiiert von den Freunden und Förderern des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V., wird in den kommenden Jahren entlang der Museumsgeschichte die Entwicklung der Sammlungen durch bürgerschaftliches Engagement aufzeigen.

Der Ort Rothenschirmbach, 40 Kilometer westlich von Halle (Saale) gelegen, gehörte seit dem 12. Jahrhundert zum Zisterzienserkloster im benachbarten Sittichenbach. Die wohl im 10. Jahrhundert errichtete Kirche St. Pankratius stand unter dem Patronat des Klosters bis zu dessen Aufhebung im Jahr 1540, was einen Einfluss des Ordens auf die Ausgestaltung des Kirchenraumes und des Programms des Altars wahrscheinlich macht. 1893 musste die Kirche wegen Baufälligkeit und Platzmangel abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. 1894 gelangte der Altar in das Provinzialmuseum in Halle (Saale); 1917 wurde er für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) erworben, wo er wahrscheinlich erstmals 1920 präsentiert wurde.

Das in Größe und Pracht außergewöhnliche Altarretabel gehört zu den besten der sächsisch-thüringischen Kunst, vor allem in den Schnitzereien. Es entstand im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, in einer noch unbekannten mitteldeutschen Werkstatt.

Das Altarretabel ist in seiner heutigen Erscheinung im Wesentlichen geprägt von der umfassenden Restaurierung, die Albert Leusch um das Jahr 1930 vornahm. Er gab dem Objekt seine Retabelform zurück, wenn auch Predella und Gesprenge fehlen. Der Mittelschrein war offensichtlich verloren. Er wurde neu gefertigt und nimmt neben den erhaltenen Figuren auch die überlieferten Bestände an Architekturformen und Schleierbrettern auf. Dieses Ganze gilt es zu erhalten!

Mit der geplanten Restaurierung des Altars soll ein herausragendes Beispiel mitteldeutscher Kultur der Spätgotik wiederhergestellt werden. Hierbei geht es um eine allgemeine Oberflächenreinigung, die Sicherung von Fugen und Rissen, die Konservierung der farblichen Fassungen sowie vor allem die Wiederherstellung der Wandelbarkeit der Flügel.

 

Spendenaufruf

Bitte helfen Sie uns, dass der Rothenschirmbacher Altar schon bald wieder in seiner ganzen Pracht und Wandelbarkeit erlebt werden kann! Jede noch so kleine Spende hilft!

Spendenkonto

IBAN: DE83 8005 3762 0389 3107 63
BIC: NOLADE21HAL
Saalesparkasse
Kennwort: ALTAR

Weitere Informationen (PDF-Datei, 503 KB)

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters (BKM), bewilligte im August 2019 die Weiterführung des Audience- Development-Projekts der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK).

Bei dem Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), der Kunstsammlungen Chemnitz, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha geht es zunächst um die Erstellung eines Konzepts zur Erhebung der Besucherstruktur und -motivation in den genannten Einrichtungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der kulturellen Teilhabe und der Nicht-Besucheranalyse, für die Verfahren und methodische Ansätze entwickelt werden sollen. Ziel ist es, neue Publikumsschichten zu erschließen und für diese Vermittlungsangebote zu entwickeln.

 

Gefördert durch

Aus Löbnitz bei Delitzsch gelangten 1949 in Folge der Bodenreformgesetzgebung in der Sowjetischen Besatzungszone drei Holztafelgemälde in das Museum. Es handelt sich um bedeutende Werke der Reformationszeit, aus denen die Darstellung des Jüngsten Gerichts als lutherisches Propagandabild hervorragt. Sie stammen aus dem Schloss der mit Luther eng verbundenen Familie von Schönfeldt.

Eines der Gemälde, die Auferstehung Christi darstellend und mit 1562 datiert, war in Vorbereitung auf die Cranach-Ausstellung 1972 restauriert worden. Die beiden anderen Bilder mit dem Jüngsten Gericht und der fragmentarisch erhaltenen Kreuzigung Christi waren aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht ausstellungsfähig. Sie konnten in einem dreijährigen Restaurierungsprojekt (finanziert durch die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. mit großzügiger Unterstützung von Dr. Hanna Leistner) von Diplom-Restaurator Tino Simon an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden kunsttechnologisch untersucht und restauriert werden.

Aufgrund der kunsthistorischen und kunsttechnologischen Untersuchung konnte die Tafel mit dem Jüngsten Gericht auf die Zeitspanne von 1570 bis 1580 datiert und zusammen mit dem Auferstehungsbild der Werkstatt Lucas Cranachs des Jüngeren (1515–86) zugeschrieben werden. Das Fragment der Kreuzigung Christi wurde wegen der stilistischen Unterschiede einer anonymen sächsischen Werkstatt aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts zugeschrieben.

Insgesamt bestätigen die Untersuchungen die neuere kunsthistorische Vorstellung einer sehr stark arbeitsteiligen Cranach-Werkstatt, in der stets mehrere Künstler an einem Bild arbeiteten. Alle Werke waren 2016/17 im Rahmen der Ausstellung Kunstsammlungen Sachsen-Anhalt. Begegnungen. Von Cranach bis Holbein ausgestellt.

Archiv

Mit der Übernahme des bildkünstlerischen Nachlasses von Einar Schleef im Jahr 2004 begann auch seine Inventarisierung. Ziel war es, ein Verzeichnis der mehr als 7 100 Gemälde und Arbeiten auf Papier zu erstellen und den Bestand der Forschung zugänglich zu machen. Begonnen wurde die Arbeit von der Kunsthistorikerin Ulrike Zwanzig, Halle (Saale), die bis auf wenige Ausnahmen den gesamten Bestand in einer ersten Datenbank verzeichnete.

Um die Online-Publikation zu erreichen, wurde 2017 bis 2019 die von Ulrike Zwanzig begonnene Inventarisierung Werk für Werk überprüft, ergänzt und neu systematisiert sowie die Datensätze mit reproduktionsfähigen Abbildungen verknüpft. Für diese umfangreiche Aufgabe konnte der Theater- und Kulturwissenschaftler Marko Kloß, Leipzig, gewonnen werden, der sich bereits seit 2008 intensiv mit Leben und Werk Einar Schleefs auseinandersetzt.

Die Überprüfung und Korrektur der bisherigen Inventarisierung ist nun ergänzt um Schlagworte (zu Personen, Orten, Zeitpunkten), die sich aus den einzelnen Werken ergeben. So fließen Kloß‘ profunde Kenntnisse über das Leben des Universalkünstlers in die Datenbank ein. Im Ergebnis bietet die datenbankgestützte Onlinepublikation erstmals die Möglichkeit für einen umfassenden Blick auf den als Bildarchiv zu verstehenden bildkünstlerischen Nachlass Einar Schleefs und ermöglicht damit die weiterführende wissenschaftliche Erforschung seines bildkünstlerischen OEuvres.

Der bildkünstlerische Nachlass Einar Schleefs

Kabinettpräsentation „Ohne Titel [EINAR SCHLEEF]“
(30.05.2019 – 11.08.2019)