Forschungsprojekte

Zu den Aufgaben eines Museums gehört neben dem Bewahren des Gesammelten auch dessen Erforschung mit dem Ziel der Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse. An dieser Stelle stellen wir Ihnen jüngst abgeschlossene oder aktuell laufende Forschungsprojekte und ihre Ergebnisse vor.

 

Aktuell


Stifter und Schenker waren und sind für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seit seiner Gründung im Jahr 1885 von großer Bedeutung. Rund 900 Einzelpersonen und Institutionen schenkten dem Museum in den vergangenen 130 Jahren zahlreiche Exponate verschiedenster Art und unterschiedlichsten Umfangs. Seit 2011 erforschen junge Kunsthistoriker im Auftrag der Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. diesen außerordentlich wichtigen Aspekt der Museumsgeschichte.

In einer mehrteiligen Ausstellungs- und Publikationsreihe werden seit 2017 die bedeutendsten Schenkungen und ihre Stifter in der mehr als 130-jährigen Geschichte des Museums vorgestellt. Entlang einzelner historischer Zeiträume wird aufgezeigt, wie sich die Sammlungen des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) durch bürgerschaftliches Engagement entwickelten.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters (BKM), bewilligte im August 2019 die Weiterführung des Audience- Development-Projekts der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK).

Bei dem Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), der Kunstsammlungen Chemnitz, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha geht es zunächst um die Erstellung eines Konzepts zur Erhebung der Besucherstruktur und -motivation in den genannten Einrichtungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der kulturellen Teilhabe und der Nicht-Besucheranalyse, für die Verfahren und methodische Ansätze entwickelt werden sollen. Ziel ist es, neue Publikumsschichten zu erschließen und für diese Vermittlungsangebote zu entwickeln.

 

Gefördert durch

Archiv


2021 konnte dank der Unterstützung durch die Rudolf-August Oetker-Stiftung, die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. und private Spender der vermutlich um 1495 bis 1500 vollendete sogenannte Rothenschirmbacher Altar aufwendig restauriert und in seiner ursprünglichen Funktionalität als Wandelaltar wiederhergestellt werden. Damit ist ein bedeutendes Werk der mitteldeutschen Holzschnitzkunst gerettet und in Teilen wiedergewonnen worden.

Der Rothenschirmbacher Altar ist ak­tuell in der Samm­lungs­prä­sen­ta­tion „Sakrale Kunst von Mittel­alter bis Barock“ zu sehen.

Weitere Informationen zur Sammlungspräsentation
„Sakrale Kunst vom Mittelalter bis Barock“

Unbekannte Werkstatt: Altarretabel aus der St. Pankratius Kirche in Rothenschirmbach (Festtagswandlung), 1480–90, gefasstes Nadelholz, Figuren: Lindenholz, Kreidegrundierung mit Metall- und Farbauflagen, 220 x 376 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Reinhard Hentze

Das in Größe und Pracht außergewöhnliche Altarretabel gehört zu den besten der sächsisch- thüringischen Kunst und kann auf eine bewegte Geschichte blicken. Nach der Reformation hatte man in den 1540er Jahren die Nische mit der Madonnenfigur entfernt und an ihrer Stelle eine Kanzel eingefügt. So war der Altaraufsatz bis Ende des 19. Jahrhunderts in Nutzung – ohne eine Wandelbarkeit – und gelangte ab 1894 in die Museen.

Seine heutige Erscheinung prägen im Wesentlichen drei umfassende Restaurierungen im 20. Jahrhundert: die von Albert Leusch (1877–1954) um das Jahr 1930, die von Fritz Leweke (1901–2001) nach dem Zweiten Weltkrieg und die Klaus von Woyskis (1931–2017) zwischen 1956 und 1959. So erhielt das Objekt seine Retabelform zurück. Die Mittelnische war offensichtlich verloren. Sie wurde neu gefertigt und nimmt neben den erhaltenen Figuren auch die überlieferten Bestände an Architekturformen und Schleierbrettern auf. Dieser historische Gesamtzustand wurde durch die Restaurierung 2021 erhalten. Die Fassungen der Schreine sind in großen Teilen noch original vorhanden, aber auch durch die qualitätvollen Restaurierungen mit ihren Ergänzungen geprägt. Diese späteren Zutaten wurden nicht entfernt, sondern als Zeugnisse der Objektgeschichte in die Restaurierung einbezogen.

Sämtliche Oberflächen wurden gereinigt, Fugen und Risse gekittet und gesichert, die Farbfassungen konserviert und Fehlstellen behutsam retuschiert. Die Mechanik des Gesamtensembles wurde ertüchtigt, sodass der Altaraufsatz nunmehr erstmals seit der Reformation wieder gewandelt werden kann.

 

Der Rothenschirmbacher Altar im Museumsblog

Die Restaurierung wurde ermöglicht dank der Unterstützung durch:


und private Spenden

Mit der Übernahme des bildkünstlerischen Nachlasses von Einar Schleef im Jahr 2004 begann auch seine Inventarisierung. Ziel war es, ein Verzeichnis der mehr als 7 100 Gemälde und Arbeiten auf Papier zu erstellen und den Bestand der Forschung zugänglich zu machen. Begonnen wurde die Arbeit von der Kunsthistorikerin Ulrike Zwanzig, Halle (Saale), die bis auf wenige Ausnahmen den gesamten Bestand in einer ersten Datenbank verzeichnete.

Um die Online-Publikation zu erreichen, wurde 2017 bis 2019 die von Ulrike Zwanzig begonnene Inventarisierung Werk für Werk überprüft, ergänzt und neu systematisiert sowie die Datensätze mit reproduktionsfähigen Abbildungen verknüpft. Für diese umfangreiche Aufgabe konnte der Theater- und Kulturwissenschaftler Marko Kloß, Leipzig, gewonnen werden, der sich bereits seit 2008 intensiv mit Leben und Werk Einar Schleefs auseinandersetzt.

Die Überprüfung und Korrektur der bisherigen Inventarisierung ist nun ergänzt um Schlagworte (zu Personen, Orten, Zeitpunkten), die sich aus den einzelnen Werken ergeben. So fließen Kloß‘ profunde Kenntnisse über das Leben des Universalkünstlers in die Datenbank ein. Im Ergebnis bietet die datenbankgestützte Onlinepublikation erstmals die Möglichkeit für einen umfassenden Blick auf den als Bildarchiv zu verstehenden bildkünstlerischen Nachlass Einar Schleefs und ermöglicht damit die weiterführende wissenschaftliche Erforschung seines bildkünstlerischen OEuvres.

Der bildkünstlerische Nachlass Einar Schleefs

Kabinettpräsentation „Ohne Titel [EINAR SCHLEEF]“
(30.05.2019 – 11.08.2019)

Aus Löbnitz bei Delitzsch gelangten 1949 in Folge der Bodenreformgesetzgebung in der Sowjetischen Besatzungszone drei Holztafelgemälde in das Museum. Es handelt sich um bedeutende Werke der Reformationszeit, aus denen die Darstellung des Jüngsten Gerichts als lutherisches Propagandabild hervorragt. Sie stammen aus dem Schloss der mit Luther eng verbundenen Familie von Schönfeldt.

Eines der Gemälde, die Auferstehung Christi darstellend und mit 1562 datiert, war in Vorbereitung auf die Cranach-Ausstellung 1972 restauriert worden. Die beiden anderen Bilder mit dem Jüngsten Gericht und der fragmentarisch erhaltenen Kreuzigung Christi waren aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht ausstellungsfähig. Sie konnten in einem dreijährigen Restaurierungsprojekt (finanziert durch die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. mit großzügiger Unterstützung von Dr. Hanna Leistner) von Diplom-Restaurator Tino Simon an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden kunsttechnologisch untersucht und restauriert werden.

links: Lucas Cranach d. J. (Werkstatt), Das Jüngste Gericht mit Stiftern, um 1550/80, Öl auf Laubholz (Linde?), 160 x 115,5 cm | Mitte: Lucas Cranach d. J. (Werkstatt), Auferstehung Christi mit Stiftern (Löbnitzer Epitaph), 1562, Öl auf Holz, 158 x 115,5 cm | rechts: Sächsische Werkstatt, Kreuzigung Christi, 2. Drittel 16. Jahrhundert, Öl auf Laubholz (Linde?), 128,1 x 42,6 cm | Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg | Fotos: Punctum/Bertram Kober

Aufgrund der kunsthistorischen und kunsttechnologischen Untersuchung konnte die Tafel mit dem Jüngsten Gericht auf die Zeitspanne von 1570 bis 1580 datiert und zusammen mit dem Auferstehungsbild der Werkstatt Lucas Cranachs des Jüngeren (1515–86) zugeschrieben werden. Das Fragment der Kreuzigung Christi wurde wegen der stilistischen Unterschiede einer anonymen sächsischen Werkstatt aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts zugeschrieben.

Insgesamt bestätigen die Untersuchungen die neuere kunsthistorische Vorstellung einer sehr stark arbeitsteiligen Cranach-Werkstatt, in der stets mehrere Künstler an einem Bild arbeiteten. Alle Werke waren 2016/17 im Rahmen der Ausstellung Kunstsammlungen Sachsen-Anhalt. Begegnungen. Von Cranach bis Holbein ausgestellt.