Die Moritzburg

Die Errichtung und Nutzung der Moritzburg als erzbischöfliche Residenz und ihr späterer Ausbau zum Kunstmuseum prägen ihre heutige bauliche Erscheinung. Im Kern präsentiert sich die historische Vierflügelanlage als repräsentativer Bau am Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Renaissance.

Von der Residenz zum
Kunstmuseum

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erlebte sie unter Kardinal Albrecht von Brandenburg als prachtvoll ausgestattete erzbischöfliche Residenz ihre Blütezeit. Mit der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg begann der etwa 250 Jahre währende Dornröschenschlaf der Ruine.

Daran vermochten auch ihre Nutzung im 18. Jahrhundert als Garnison und die ehrgeizigen Pläne Karl Friedrich Schinkels im 19. Jahrhunderts für einen Ausbau als Universität nichts zu ändern. Erst um 1900 wurde das historische Bauensemble wiederbelebt und in ihm bis 1917 das Kunstmuseum der Stadt Halle (Saale) untergebracht.

Die Burg der Moderne

Heute nutzt das Museum alle vier Flügel der Moritzburg, die seit 2008 über einen modernen Erweiterungsbau im West- und Nordflügel verfügt. Über 500 Jahre haben die verschiedenen Nutzungen der Moritzburg ihre bauliche Erscheinung immer wieder verändert, womit sie heute ein eindrucksvolles Architekturdenkmal mitten im Zentrum der Stadt Halle (Saale) ist.
 

Burg – Ruine – Museum

Spannend bis ins letzte Detail: Erfahren Sie mehr über die bewegte Nutzungs- und Baugeschichte der Moritzburg.
 

Die Moritzburg in Halle zählt zu den eindrucksvollsten spätmittelalterlichen Residenzanlagen in Mitteldeutschland. Sie wurde um 1500 als prunkvolles und zugleich wehrhaftes Wohnschloss und als Sitz der Landesregierung der Magdeburger Erzbischöfe am nordwestlichen Rand des Stadtzentrums errichtet. Sie galt als effektivste Verteidigungsanlage ihrer Zeit. Der Name der Residenz leitet sich von dem Schutzpatron des Magdeburger Erzbistums, dem Heiligen Mauritius, ab.

Den Grundstein legte Erzbischof Ernst von Sachsen (1476–1513). 1503 war der Bau weitgehend vollendet. Unter Ernsts Nachfolger Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490–1545) erhielt er eine überaus repräsentative Ausstattung mit reichen Holztäfelungen, prachtvollen Kachelöfen, prunkvollen Teppichen, Wandmalereien und kostbaren Gemälden der großen Künstler der Zeit, darunter Cranach, Dürer, Baldung Grien und Grünewald. Im West- und Nordflügel, in denen heute die neuen Museumsräume eingerichtet sind, befanden sich die erzbischöflichen Staatsgemächer sowie private Wohn- und Arbeitsräume.

1531 begann Kardinal Albrecht südlich des Domes einen „neuen Bau“ als zweite Residenz. Mit dieser „neuen Residenz“ schlossen sich Moritzburg und Dom zu einem einzigartigen Residenz-Ensemble der Renaissance zusammen, das sich eindrucksvoll über der Saale erhob. 1541 musste Kardinal Albrecht unter dem Druck der Reformation die Stadt verlassen. Seinen gesamten beweglichen Besitz nahm er mit.

Bis 1680 folgten weitere Erzbischöfe und protestantische Administratoren als Nutzer der Moritzburg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie nach wechselnden Belagerungen infolge eines Brandes 1637 unbewohnbar. Die originale Ausstattung ging fast vollständig verloren.

1680 fiel die Moritzburg durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens an den Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688). 1717 hielt das preußische Alt-Anhaltische Regiment unter Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1676–1747) in Halle (Saale) Einzug. Das 1777 zwischen Torturm und Kapelle errichtete barocke Lazarettgebäude, in dem sich heute die Museumsverwaltung befindet, ist das bauliche Zeugnis dieser neuen Nutzung als Garnison.

Im 19. Jahrhundert richtete sich der Blick erneut auf die Moritzburg, deren Verfall immer bedrohlicher wurde. 1829 schuf Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) einen nicht verwirklichten Entwurf zum Ausbau der Ruine für die Universität. Erst kurz vor 1900 entschloss sich die Stadt, den Nordflügel für das Institut für Leibesübungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einer Turn- und Gymnastikhalle sowie mit Fechtsälen auszubauen. Auch die Maria-Magdalenen-Kapelle ging in die Nutzung der Universität über und erhielt 1898 ein rekonstruiertes Netzgewölbe.

Der Ausbau der Moritzburg als modernes Kunstmuseum beginnt um 1900. An der Stelle eines maroden Wirtschaftsgebäudes im Südflügel entstand die Replik des alten „Thalhauses“, des Amtsgebäudes der Pfänner und Halloren, das 1882 unterhalb der Marienkirche am Hallmarkt abgerissen wurde. Seine wertvolle Ausstattung bewahrte man auf und integrierte sie im Obergeschoss des Nachbaus in der Moritzburg. Dieses Kleinod der Neorenaissance, das noch heute als Talamt bezeichnet wird, wurde 1904 fertiggestellt. In ihm fanden die Sammlungen der angewandten Kunst des 1885 gegründeten Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe ihre Aufstellung.

Von 1911 bis 1913 wurde der Wehrgang im zur Stadt gelegenen Ostflügel als Erweiterung des Museums historisierend mit Stuckdecken errichtet. Bis 1917 wurde im Südostturm der Kuppelsaal mit einer dem Pantheon in Rom nachempfundenen Kuppel fertiggestellt.

Als um die Jahrtausendwende das Talamt saniert wurde, zeichnete sich ab, dass die bauzeitlichen und historistischen Räume nicht für die Präsentation aller Werkgruppen geeignet sind. Ein Museumsneubau stand außer Frage. Eine Erweiterung des Museums durch den Aus- und Umbau des Westflügels lag auf der Hand. Die vorerst letzte, das heutige Erscheinungsbild der Moritzburg prägende bauliche Veränderung stellt damit der moderne Erweiterungsbau im West- und Nordflügel dar, der zwischen 2005 und 2008 nach den Entwürfen des spanischen Architektenduos Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano errichtet worden ist.

Der Entwurf der Architekten basiert auf einer ebenso einfachen wie raffinierten Idee: West- und Nordflügel der spätmittelalterlichen Residenz wurden durch ein von Oberlichtern plastisch geformtes, mit Aluminium gedecktes Dach zusammengebunden, das sich wie eine unregelmäßig gefaltete Plattform hebt und senkt, dabei aber über der Mauerkrone flach zurückweicht. So verbinden sich die historischen Baustile und -formen des 15. bis 20. Jahrhunderts mit der Formensprache der Postmoderne.

West- und Nordflügel der Moritzburg wurden in ihrer gesamten Ausdehnung als große Raumformen innerhalb der alten Bausubstanz belassen. Die Obergeschosse der Ausstellungsräume sind als white cubes von der Dachkonstruktion abgehängt und über eine Galerie entlang der Außermauern zu erreichen. Im Westflügel sind die Außenmauern der Burg steinsichtig belassen und halten als historische Gebäudehülle die Erinnerung an die ehemalige Ruine wach. Die architektonischen Mittel der Postmoderne bleiben selbständig und treten mit dem historischen Bau in einen spannenden Dialog.

So gelang es, den Ort und seine abwechslungsreiche Geschichte künstlerisch in die Gegenwart zu übersetzen. Die heutige bauliche Erscheinung der Moritzburg steht damit auch für die Erneuerung des Museums zu Beginn des 21. Jahrhunderts.