Die historischen Zimmer im Talamt

In die 1904 errichtete freie Nachbildung des Talamtes, des Amtssitzes der halleschen Salzgrafen, wurden zwei prachtvolle originale Räume, das historische Gerichts- und das Festzimmer, integriert. Sie sind herausragende Zeugnisse des Manierismus sowie der bürgerlichen Repräsentationskultur in der Saalestadt und bezeugen den Lebensstil einer kulturellen Blütezeit.
 

Das Gerichtszimmer

Die 1594 datierte Täfelung des Gerichtszimmers gilt als Hauptwerk der Kunsttischlerei der Renaissance in Halle. Die Kassettendecke ist mit Ornamenten und plastischem Beschlagwerk dekorativ verziert. Die Wände sind mit allegorischen Szenen aus dem Alten Testament geschmückt. Über der Tür befindet sich eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Die farbigen Intarsien mit Scheinperspektiven und Reliefschnitzereien im Erker schuf vermutlich Augustin Stellwagen.

Das Festzimmer

Das Festzimmer entstand um 1616. Mit seiner aufwendigen Portalarchitektur und der reich gegliederten, in strahlenden Farben leuchtenden Kassettendecke bot der Raum einen würdigen Rahmen für Festessen, Hochzeiten und Empfänge. Künstlerisch besticht die Ausgestaltung durch ihren Reichtum an Ornamenten, dekorative Fülle und eine starke plastische Wirkung. Oberhalb der von Säulen und Gebälk gerahmten Türen befinden sich allegorische Gemälde. Die mit farbigen Blumenranken und plastischen Rosetten geschmückte Decke enthält vier Allegorien der Jahreszeiten nach Entwürfen von Hendrik Goltzius (1588–1617).

Die Einflüsse der Kunst am Prager Hof Rudolfs II. sowie der prosperierenden Niederlande sind unverkennbar. Hier hat sie ein bisher unbekannter einheimischer Künstler selbstbewusst für ein eigenständiges Meisterwerk rezipiert.