Ich bin Du!

Doris Ziegler: Malerei

26.02.2023 — 21.05.2023
Kabinettausstellung
 

Doris Ziegler zählt zu den großen Namen der Leipziger Schule – und trotzdem ist die Malerin bis heute nur einem kleineren Publikum bekannt geworden. Ein Beleg für diese fatale Situation ist der Umstand, dass die Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) überhaupt die erste Einzelausstellung der Leipziger Künstlerin in einem Museum ihrer Heimatregion ist.

Eines der Hauptwerke von Doris Ziegler – das Gemälde „Ich bin Du“ aus dem Jahre 1988 – gibt der Ausstellung ihren Titel. In der Entstehungszeit galt dieses Gemälde als Provokation, weil es vermeintlich feministische Positionen aus dem Westen in den Kunstraum DDR transformierte. Hier zeigt sich die Künstlerin in androgyner Gestalt zugleich als Mann und Frau. Die Künstlerin stellte damit die vorherrschenden Geschlechterrollen in Frage; lange Zeit vor der Akzeptanz heute aktueller Debatten um Sexus, Gender und Diversität.

In der Ausstellung wird deutlich, dass die bildnerische Inszenierung eines „Doppelgängers“ auch für andere Segmente ihres Schaffens gilt. Die Dualität eines existentiellen Bezugs zwischen der Künstlerin und ihrem Umfeld wird ebenso in ihren Doppelporträts deutlich, die sie zusammen mit ihrer Mutter oder ihrem Sohn zeigen. Das Gemälde „Selbst mit Sohn II“ (1986/87), gezeigt auf der X. Kunstausstellung der DDR im Dresdner Albertinum, geriet zu einem der letzten Kunstskandale in der DDR.

Doris Ziegler (*1949) wurde in den 1960er Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer ausgebildet. Kurz vor der Wiedervereinigung Deutschlands wurde sie dort selbst zur Assistentin und schließlich 1993 als Professorin für das Grundlagenstudium berufen.

In der Malerei war es über lange Zeit der „kühle Blick“, geschult an der neusachlichen Kunst der Zwischenkriegszeit, der Doris Ziegler interessierte und der sie unterschied von ihren Generationskollegen. Hoher Respekt vor dem Bildnis und vor dem an der HGB als Königsdisziplin geltenden „Mehr- oder Vielfigurenbild“ hielt Doris Ziegler nie vor dem Experiment zurück, gerade in der Figurenmalerei ihren Platz zu suchen. Ihren magischen Ort fand die Künstlerin dabei früh im Leipziger Stadtteil Plagwitz, dessen Architektur und Lebenswelt sie faszinierten. Vom sachlichen Industriedetail über die Kulissenwelt des Imaginären bis hin zur Darstellung des weiblichen Proletariats in der DDR reichen ihre bildnerischen Annäherungen an einen Aktions- und Rückzugsraum, der nach der deutschen Wiedervereinigung von einer tiefgreifenden Transformation betroffen war.

ICH BIN DU!
Doris Ziegler: Malerei

Kabinettausstellung
26.02.2023 — 21.05.2023

Kurator

Dr. Paul Kaiser