Willi Sitte

SITTES WELT
Willi Sitte: Die Retrospektive

 

Willi Sitte kam nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1947 im Auftrag der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt nach Halle (Saale) und begann, sich im Umfeld der Burg Giebichenstein als Maler zu qualifizieren, nachdem er sich bereits in den Jahren vor 1940 intensiv zeichnerisch hatte ausbilden lassen und auf diesem Gebiet eine hohe Versiertheit erlangt hatte. In Halle (Saale) gehörte er zu den Künstlern, die nach dem Ende des „Dritten Reichs“ im bewussten Anknüpfen an die zwischen 1933 und 1945 als „entartet“ geächtete Moderne einen künstlerischen Neuanfang forcierten. Gemeinsam mit Künstlern wie Hermann Bachmann, Herbert Kitzel und Kurt Bunge bestimmte er, u. a. als Mitglied der Künstlervereinigung Die Fähre, das Kunstgeschehen in der Saalestadt.
 


Mit dem Lehrauftrag, den ihm die Kunstschule in der halleschen Burg Giebichenstein 1950 erteilte, begann die bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1986 währende Tätigkeit Willi Sittes als Hochschullehrer und Verantwortlicher für die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses in der DDR (ab 1952 festangestellt als Dozent, 1959 mit der Wahrnehmung einer Professur betraut, ab 1964 als Professor für Textilgestaltung, ab 1972 als Direktor der Sektion Bildende und Angewandte Kunst, ab 1973 als Professor für Malerei, ab 1974 mit der Betreuung von Meisterschülern). Nach anfänglicher Tätigkeit im Grundlagenstudium baute er ab 1953/56 die Fachrichtung Textilgestaltung auf. Parallel wurde sein freies künstlerisches Schaffen bis weit in die 1960er Jahre im Zuge und Nachklang der um 1950 geführten Formalismus-Diskussion fortwährend als nicht den Normen des geforderten Sozialistischen Realismus entsprechend kritisiert.
 

Das Ringen des Künstlers mit der Partei und der Partei mit ihrem Maler kulminierte erstmals 1961 in zwei Selbstmordversuchen mit anschließendem Parteiverfahren und schließlich Anfang 1963 mit der von der Partei eingeforderten Selbstkritik, die er im Februar 1963 öffentlich in der Tagespresse vornahm. Im Sommer 1963 erhielt er seine erste Einzelausstellung in der DDR (Angermuseum, Erfurt).

Während dieser Krisenjahre pflegte Sitte Kontakte zu Künstlern in der BRD (München, Künstlergruppe tendenzen) und war er befreundet mit den Lyrikerpaaren Sarah und Rainer Kirsch und Christa und Gerhard Wolf – ebenso wie mit Wolf Biermann, den er wiederholt zu Lesungen in die Burg Giebichenstein einlud. An der Positionierung der Freunde zum Prager Frühling 1968 schieden sich die Geister und trennten sich spätestens die Wege.


Mit seiner Wahl in den Zentralvorstand des Verbands Bildender Künstler in der DDR (VBK) im Jahr 1964 begann die aktive kulturpolitische Tätigkeit Willi Sittes. Anhaltende öffentliche Kritik der Partei an der Ausrichtung seines künstlerischen Schaffens gingen bis Ende der 1960er Jahre parallel mit öffentlichen Anerkennungen und Ehrungen seiner Person (u. a.: 1964 Kunstpreis der DDR, 1965 Vaterländischer Verdienstorden, 1969 Berufung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste in der DDR). Mit seinem politischen Werdegang (1970 Vizepräsident des VBK, 1974–88 Präsident des VBK, 1976–90 Mitglied der Volkskammer der DDR, 1986–90 Mitglied des Zentralkomitees der SED) entwickelte sich Sitte in der Ära Erich Honneckers bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 zu einem der einflussreichsten Künstler und Kulturpolitiker im Staat.

 

 

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Willi Sitte: Die Retrospektive

03.10.2021 — 09.01.2022

Kuratoren

Thomas Bauer-Friedrich und Dr. Paul Kaiser, Dresden, unter Mitwirkung von Dr. Eckhart Gillen, Berlin, und Dr. Dorit Litt, Bonn


Die Ausstellung wird im Jahr 2023 in adaptierter Fassung im Museum de Fundatie im niederländischen Zwolle zu sehen sein.