Hintergrund

Willi Sitte: Die Retrospektive

Die letzte Retrospektive des Sitte’schen Werks fand im Jahr 1981 anlässlich des 60. Geburtstages des Künstlers noch zu DDR-Zeiten im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) statt; die letzten großen Personalausstel- lungen gab es 1982 in West-Berlin und 1986 in Ost-Berlin. Im wiedervereinten Deutschland hat es eine sachlich-objektive Auseinandersetzung mit seinem künstlerischen Schaffen aus unterschiedlichen Gründen nur bedingt und temporär gegeben. Das ändert die Ausstellung Sittes Welt anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers.

 

Auf der einen Seite steht die Person Willi Sitte als bildender Künstler, auf der anderen Seite der Kulturpolitiker Willi Sitte, der maßgeblich die Biografien von Künstlern wie auch die allgemeine Kulturpolitik in der DDR positiv wie negativ beeinflussen konnte und beeinflusst hat. Diese zwei Seiten der Person Willi Sittes haben eine objektive Auseinandersetzung mit seinem Werk seit 1989 erschwert und in großen Teilen bislang unmöglich gemacht. Zunächst stand der Politiker Sitte im Fokus der Diskussionen, was die Auseinandersetzung mit seinem Schaffen lange be- bzw. verhinderte.

Während in den zurückliegenden Jahren große Einzelausstellungen zum Schaffen seiner Künstlerkollegen Wolfgang Mattheuer (2017, Rostock, Zwolle/NL), Werner Tübke (2009, Leipzig) und Bernhard Heisig (2005/06, Leipzig, Düsseldorf, Berlin) stattgefunden haben, steht eine Retrospektive zum Werk Willi Sittes 30 Jahre nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und 40 Jahre seit der letzten Retrospektive 1981 im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) bis dato aus. Daran vermochten auch die jüngsten Ausstellungen 2018/19 in der Kunsthalle Rostock (Willi Sitte und Fritz Cremer im Dialog) sowie die Integration seiner Werke in Überblicksausstellungen (Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990, Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Utopie und Untergang, Kunstpalast, Düsseldorf) nichts zu ändern.

Die Gründe für die ausbleibende museale Auseinandersetzung mit Willi Sitte liegen u. a. in den Ereignissen um den schriftlichen Vorlass des Künstlers, den dieser in den 1990er Jahren dem Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, übergeben hat. Aus diesem Material heraus sollte zum 80. Geburtstag Sittes 2001 ebenda eine Ausstellung stattfinden. Diese wurde zunächst vom Museum verschoben und nachfolgend vom Künstler abgesagt. Für die neuen Bundesländer hatte Sitte zudem ein Verbot der Ausstellung seiner Werke ausgesprochen. Schließlich wurde die 2003 gegründete Willi-Sitte-Stiftung und der darin befindliche Teil seines künstlerischen Vor-/Nachlasses nicht in Halle (Saale) ansässig, sondern im benachbarten Merseburg. Wunsch des Künstlers war es zu Lebzeiten, dass sein Nachlass in der Staatlichen Galerie Moritzburg, dem heutigen Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), eine dauerhafte Heimstatt findet. Dies konnte aufgrund der seinerzeit agierenden Personen nicht realisiert werden. In Vorbereitung der Retrospektive 2021 laufen Gespräche über Formen der Zusammenarbeit der Willi-Sitte-Stiftung und des Kunstmuseums in der Moritzburg.

 

SITTES WELT
Willi Sitte: Die Retrospektive

17.10.2021 — 09.01.2022

Kurator

Thomas Bauer-Friedrich

Kuratorische Mitarbeit

Dr. Paul Kaiser, Dresden
Dr. Eckhardt Gillen, Berlin
Dr. Dorit Litt, Bonn


Im Anschluss an die Präsentation in Halle (Saale) zeigt das Museum de Fundatie im niederländischen Zwolle die Retrospektive im Frühjahr/Sommer 2022 in adaptierter Fassung.


Mit freundlicher Unterstützung


Kooperationspartner