22. August 2020

Die Fische müssen schwimmen

Zum Weltfischtag werfen wir die Angeln aus unseren malerischen Booten und beobachten künstlerische Wasserwelten.

 

Pisces natare oportet –
Die Fische müssen
schwimmen.

aus dem Satyricon, Titus Petronius Arbiter

Hauptsächlich im Sommer beim Urlaub am Meer gönnen wir uns das eine ums andere Mal ein leckeres Fischbrötchen. Doch so sehr uns der frische Fisch aus der Ostsee vielleicht schmeckt, man darf nicht vergessen, wie akut diese Tiere und ihr Lebensraum gefährdet sind. Überfischung, Wasserverschmutzung und das daraus resultierende Artensterben sind Probleme, an denen der Mensch der Schuldige ist.

Der Beruf des Fischers und der Fisch als Nahrung selbst sind zentrale Bildmotive bei vielen Künstlern in allen Epochen, ob nun in der Darstellung des Fischers mit einfachem Leben oder des Fisches selbst auf dem Markt, der fürstlichen Tafel oder verarbeitet in einer Konservendose.

 

Es tut mir […] sehr gut,
hier in der Natur zu leben
und teilzunehmen an dem
elementaren Leben der Fischer

Ernst Wilhelm Nay, 1936

 

Wilhelm Nays (1902–1968) Ausfahrt der Fischer von 1936 zeigt genau diese Profession in elementarer Weise. Zusammen mit dem im Vordergrund liegenden Rückenakt blicken wir auf das schäumende Meer, das sich deutlich durch seine Farbflächen von der des Himmels abgrenzt und verabschieden die Fischerboote mit ihren stark abstrahierten Figuren auf die weite See. Nay konnte diesen immer wiederkehrenden Rhythmus während seiner Sommeraufenthalte Mitte der 1930er Jahre am Vietzkerstrand in Westpommern (Wicko Morskie, Polen) stundenlang beobachten und skizzierte das Geschehen in großen Rohrfederzeichnungen. In seinen daraus resultierenden Fischerbildern wird die Ursprünglichkeit dieses schlichten Lebens durch die Form der Abstraktion mit stark betonenden Farben besonders deutlich. Eine weitere Version der Fischer findet sich in der Sammlung des Städel Museums Frankfurt.

Ernst Wilhelm Nay: Ausfahrt der Fischer, 1937, in der digitalen Sammlung des Städel Museums Frankfurt

 

Es sind die Bilder Hans Reichels (1892‒1958), die uns in das Unterwasserreich abtauchen lassen. Beeinflusst durch den engen Kontakt mit Paul Klee (1879‒1940) seit 1918, sind Reichels Fische Wesen einer fantastischen, fast schon surrealistischen Welt, die in intensiver Farbigkeit zwischen exotischen Pflanzen und anderem Getier aus dunklem Grund herausstechen wie zum Beispiel bei Fisch, Schnecke und großer Mond.

 

In Goldfische blau-gelb von 1927 schwimmen die Tiere als leuchtende Punkte zwischen verspielt-farbenfrohen Gräsern und Blüten in einem tiefblauen Wasser umher. Deutlich skurriler dagegen wirkt Klees Goldfisch von 1925. Eine stilistische Verwandtschaft ist aber sichtbar.

Als dekoratives Element in der angewandten Kunst erfreut sich der Fisch ebenfalls großer Beliebtheit. Die Vielfalt der Arten, Formen und Farben bietet nahezu unbegrenztes Schöpfungspotenzial für Kunsthandwerk jeglicher Art. Hier ist besonders die Glaskünstlerin Ilse Scharge-Nebel (1904‒1988) zu nennen, die seit 1930 in Halle (Saale) lebte und arbeite. Durch die von ihr genutzte Technik des Diamantstippens und -ritzens erwachen Tiere und Pflanzen mittels feinster Punkte und Linien auf durchsichtigem Untergrund zum Leben. Eine hohe künstlerische Fertigkeit, die ihr einige internationale Preise bescherte.

 

Neben Scharge-Nebel hat sich auch eine andere hallesche Künstlerin dem Fischmotiv gewidmet. Über Lili Schultz (1895‒1970) und ihre Arbeiten kann man in unserem Blog-Beitrag vom 18. Juni 2020 Ausführlicheres nachlesen.

Lili Schultz – eine innovative Künstlerin,
Blog-Beitrag vom 18. Juni 2020

 

Ob nun als filigranes Dekor, gemalt wie im Aquarium oder frisch an der Angel, das Meer und seine schwimmenden Bewohner sind immer einen künstlerischen und schützenden Blick wert.

 

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