30. März 2020

Die Sezessionisten:
Aufbruch in die Moderne

#closedbutopen

Die Sammlungspräsentation Wege der Moderne beginnt, vom Talamt im Südflügel der Moritzburg kommend, mit der Kunst um 1900, der Kunst des sogenannten Sezessionismus. In den 1890er Jahren haben sich in vielen Städten Künstler zu Vereinigungen zusammengeschlossen, die sich vom akademischen Kunst- und Ausstellungsbetrieb des Kaiserreichs abspalteten (lat.: secessio – Abspaltung, Trennung). Sie suchten neue Wege in der Kunst wie auch in der Art und Weise des Ausstellens, das juryfrei sein sollte, sodass auch die avantgardistischen Strömungen eine öffentliche Wahrnehmung erfahren konnten. In diese Zeit des Aufbruchs fallen auch die Anfänge unseres Museums, das 1885 als Museum für Kunst und Kunstgewerbe gegründet wurde.

Weitere Informationen zur Sammlungspräsentation
WEGE DER MODERNE

Die erste Sezession war die 1892 gegründete Münchner Sezession. Zu ihren Mitgliedern gehörten neben vielen anderen der Jugendstilkünstler Franz von Stuck (1863–1928) und die Impressionisten Max Liebermann (1847–1935) und Walter Leistikow (1865–1908). 1897 gründete sich in Wien die dortige Secession, deren erster Präsident Gustav Klimt (1862–1918) war.

 

Gustav Klimt: Bildnis der Marie Henneberg, 1902

Von ihm ist im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) das Porträt der Marie Henneberg (1851-1931) zu sehen. Es ist eines von insgesamt nur vier Gemälden des Wiener Jugendstilmalers, die es in Deutschland gibt. Klimt porträtierte die Gattin des Wiener Physikers und Fotokünstlers Hugo Henneberg (1863–1918) als Auftrag für die Villa, die sich das Ehepaar von dem berühmten Wiener Reformarchitekten Josef Hoffmann (1870–1956) auf der Hohen Warte im Wiener Stadtbezirk Döbling errichten ließ. Es wurde 1902 fertiggestellt und fand seinen Platz in der zentralen Eingangshalle des Hauses.

 

Das Gemälde ist eines der frühen Damenporträts des Malers und macht den Auftakt zu seinen heute weltbekannten Bildnissen von Damen der großbürgerlichen Wiener Gesellschaft. Er stellt Marie Henneberg in einem Lehnstuhl sitzend dar in einem nicht näher bezeichneten Raum. Das ganze Augenmerk ist auf die Porträtierte gerichtet, die dem Betrachter in noblem Kleid mit einem Veilchenbouquet erscheint. Distanziert schaut sie auf ihr Gegenüber herab – man bedenke die originale Situation der Erstpräsentation des Bildes hoch über dem Kamin in der Eingangshalle der Villa Henneberg.

Heute besitzen wir vier Studien zu diesem Gemälde, die das Museum 2012 und 2019 erwerben konnte. Sie zeigen, wie der Künstler mit wenigen Strichen nach der richtigen Komposition des Gemäldes suchte.

 

In den 1920er Jahren verkaufte Marie Henneberg ihr Porträtgemälde an den Leipziger Musikverleger Max Kuhn (1874–1947). Kuhn ließ sich von dem Architekten Wilhelm Halpapp 1924 bis 1926 in der Richterstraße 10 im Stadtteil Gohlis eine Villa im Art-déco-Stil errichten. Die Innenraumgestaltung übernahm der Münchener Secessionist Bruno Paul (1874–1968). Kuhns Villa kann mit ihrer Ausstattung aus Einrichtungsgegenständen der Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau und der Wiener Werkstätte als Pendant zur Villa Henneberg in Wien mit ihren Einrichtungsgegenständen ebenfalls aus der 1903 gegründeten Wiener Werkstätte gelten.

Nach Kuhns Tod im Jahr 1947 stellte dessen Schwägerin das Klimt-Gemälde 1966 der damaligen Staatlichen Galerie Moritzburg als Leihgabe zur Verfügung. 1979 konnte es durch Ankauf dauerhaft für das Museum erworben werden. Seither gehört es zu den besonderen Schätzen des Landeskunstmuseums Sachsen-Anhalt und hat seit Öffnung der Grenzen 1989 in den zurückliegenden drei Jahrzehnten eine internationale Wahrnehmung auf Ausstellungen weltweit erfahren.

 

Hören Sie hier, was unser Audioguide zum Werk„Bildnis der Marie Henneberg“ erzählt:

Weitere Informationen:

Sonderausstellung: GUSTAV KLIMT
14.10.2018 – 06.01.2019

Katalog: Gustav Klimt & Hugo Henneberg. Zwei Künstler der Wiener Secession

 

 

Edvard Munch: Bildnis Max Linde, 1904

Zwei Jahre, nachdem Gustav Klimt in Wien das Bildnis der Marie Henneberg vollendet hatte, malte der Norweger Edvard Munch (1863–1944) das lebensgroße Porträt des Lübecker Augenarztes Max Linde (1862–1940). Dieser war einer der wichtigsten Mäzene des Künstlers und oft, wenn dieser in Deutschland weilte, wohnte er im Haus des Dargestellten. Deswegen gibt es zahlreiche Porträts der Familie Lindes von Edvard Munch.

 

Zu den beeindruckenden unter ihnen gehört das repräsentative Porträt, das 1925 für das hallesche Museum erworben wurde. Es zeigt den Arzt in Ausgehrobe mit Hut und Handschuhen in der einen und dem Stockschirm in der anderen Hand. Als würde er kurz vor dem Verlassen des Hauses aufgehalten werden und auf uns warten, wendet er sich dem Betrachter zu.

Munchs Malerei mit ihrer formalen Reduktion und charakteristischen Farbgebung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegweisend für die junge Generation der Expressionisten. Ihre Werke sind die konsequente Fortführung der Malerei des Norwegers und vollziehen den Aufbruch in die Moderne.

 

Über die spannende Geschichte des Gemäldes zwischen 1933 und 1988 berichtet unser Audioguide: