12. Mai 2020

August der Starke (1670–1733):
Ein besessener Sammler und erfolgreicher Unternehmer

#closedbutopen

Der 350. Geburtstag am 12. Mai ist ein willkommener Anlass, an den bis heute verehrten schillernden Prototypen des Absolutismus und den Namensgeber des Augusteischen Zeitalters zu erinnern, in dem die Wissenschaften und Künste aufblühten und von dessen Gestaltungskraft das Image Dresdens immer noch geprägt wird.

Als zweiter Sohn des sächsischen Kurfürsten mit dem Namen Friedrich August geboren, wurde er nur durch den zu frühen Tod seines älteren Bruders 1694 der erste sächsische Kurfürst dieses Namens. Im Jahr 1697 ließ er sich mit 27 Jahren zum König August II. von Polen-Litauen krönen.

 

Weißes Gold

August frönte mit an Besessenheit grenzender Leidenschaft dem weißen Gold, dem Porzellan, dem Inbegriff des Luxus seiner Zeit. Er selbst nannte seine Sammelwut eine „maladie de porcelaine“, eine Porzellankrankheit. Im Sinne des Merkantilismus verstand er sich auch als der erste Unternehmer seines Staates. 26 Manufakturen begründete er, 1708 u. a. eine Fayencemanufaktur in der Dresdner Neustadt.

 

Die am 6. Juni 1710 geschaffene erste europäische Porzellanmanufaktur in Meißen sollte zu einer der weltweit bekanntesten Marken aufsteigen. Bereits 1706 hatten Johann Friedrich Böttger (1682–1719) und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651–1708) die Herstellung von Feinsteinzeug, dem Böttgersteinzeug, entdeckt.

In dieser Zeit faszinierte der ferne Osten ganz Europa. China wurde als eine utopisch heile Welt idealisiert. Mannigfaltig reflektierte die europäische Kunst vermeintliche und reale chinesische Motive.

So detailreich und mehrfarbig wie in Meißen gelang dies anderen zunächst nicht. Die verschiedenen Szenen eröffnen regelrechte Bilderbücher von einer idealen exotischen und romantisch verklärten Welt.

MEISSEN x WASSILY KANDINSKY

Aus Anlass der Ausstellung DAS COMEBACK. Bauhaus Meister Moderne gab es 2019 eine ganz besondere Kooperation zwischen dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und der Porzellanmanufaktur Meissen. Rund 100 Jahre nach ihrer Entstehung wurden verschiedene Entwürfe Wassily Kandinskys (1866–1944) für Tassen und Teller, die sich in unseren Sammlungen befinden, realisiert und werden seitdem sowohl in limitierter als auch unlimitierter Form angeboten:

Kandinsky Edition der Porzellanmanufaktur Meissen

Grenzenlose Sammelleidenschaft

Die Sammelleidenschaft von August dem Starken ist in diesem Jahr Anlass für mehrere sicherlich sehenswerte Ausstellungen. Das Schloss Moritzburg bei Dresden thematisiert mit Mythos August seine Verklärung, das Kestner-Museum Hannover präsentiert seine eigene reiche Sammlung Meißner Porzellane.

Dass August der Starke selbst auch im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Spuren hinterlassen hat, zeigen die abgebildeten Werke, die in der Studiensammlung Kunsthandwerk & Design zu besichtigen sind.

Hier gehts zur Studiensammlung Kunsthandwerk & Design.

Es sind faszinierende und zerbrechliche kleine Kostbarkeiten, die ganz im Gegensatz zu der von August im Jahr 1716 in der Kleinen Ulrichstraße hier in Halle (Saale) veranlassten Verhaftung seiner einflussreichen Mätresse, der Gräfin Cosel (1680–1765), ohne faden Beigeschmack eine schöne Erinnerung bedeuten.

 

August von Sachsen – Der Administrator des Erzstiftes Magdeburg

Über einen der Söhne des Urgroßvaters Augusts des Starken, Johann Georg I. von Sachsen (1585–1656), gibt es eine geschichtsträchtige Verbindung zwischen Dresden und Halle (Saale).  August von Sachsen (1614–1680) wurde 1628 mit 13 Jahren vom Domkapitel des Erzstifts Magdeburg zum letzten evangelischen Administrator (Verwalter) gewählt. Erst nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen um Halle (Saale) während des Dreißigjährigen Krieges konnte er 1642 seinen Sitz im Residenzbezirk der Saalestadt nehmen, zu dem die Moritzburg, der sogenannte Dom zu Halle und die Neue Reisdenz gehören. Beide trafen sich 1678 bei der freundbrüderlichen durchlauchtigsten Zusammenkunft in Dresden. Das sagenumwobene Fest, für das auch hallesche Künstler gearbeitet haben, hat August den Starken in seinen Festgewohnheiten stark beeinflusst. 

Anlässlich seines 400. Geburtstages veranstaltete unser Museum 2014 die große Ausstellung Im Land der Palme. August von Sachsen (1614-1680). Erzbischof von Magdeburg und Fürst von Halle. Mit ihr erzählten wir die glanzvolle Geschichte des Wiederaufbaus der zerstörten Stiftslande durch August und seinen weitsichtigen Einsatz für Bildung und Kultur in diesem Zusammenhang.

www.palme-halle.de

Weitere Informationen zur Geschichte
der Moritzburg

 

Ausstellungstipps

„Mythos August – Geschichte. Macht. Ihr.“

Schloss Moritzburg, Sachsen
04.05.2020 – 01.11.2020

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„Prunk! August der Starke und das Porzellan“

Museum August Kestner, Hannover
16.05.2020 – 24.01.2021

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