11. August 2020

Erinnerungszeichen an einen vergessenen Feiertag

Von 1921 bis 1932 war der 11. August der deutsche Nationalfeiertag. Er würdigte die Unterzeichnung der Verfassung der Weimarer Republik, die am 14. August 1919, neun Monate nach der Proklamierung der Republik in Kraft trat. Den Neuanfang nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg trugen viele Hoffnungen. Er hatte aber auch viele Gegner. Ein treffendes Sinnbild dafür fand der Bildhauer Hans Schwegerle (1882–1950) in zwei Männern, die eine Zukunft versprechende Eiche pflanzen.

 

Für die republikanische Programmatik „Einigkeit, Recht und Freiheit“ fand Alfons Feuerle (1885–1968) 1924 ein starkes Gleichnis. Die Medaille wird übrigens neben weiteren Medaillen dieser Zeit in der Sammlungspräsentation „Wege der Moderne“ ausgestellt.

Das künstlerische Erscheinungsbild der Verfassungstage prägte der Reichskunstwart Edwin Redslob (1884–1973). Er war die erste Instanz für alle Fragen der staatlichen Symbolik. Mit den Verfassungstagen strebte er eine Inszenierung an, bei der durch eine gemeinsame Feier „eine Verbindung der Regierung und ihrer Gäste mit der Gesamtheit des Volkes geschaffen“ werden sollte. Es sollten Feiern „von werbender Kraft“ in Form eines „gemeinsamen Bekenntnisses zum Aufbau des neuen Staates“ sein. Dazu wurde der Berliner Reichstag für alle Interessenten geöffnet oder eine Militärmusikparade mit dem Reichspräsidenten veranstaltet. Volksfestcharakter gewannen die Feiern, Aufmärsche, Paraden und Sportwettkämpfe des in Magdeburg begründeten Reichsbannerbundes Schwarz-Rot-Gold.

Münzen und Medaillen spiegeln als bewusst herausgegebene Erinnerungszeichen bis heute die Erwartungen und Ansprüche an den Feiertag. Die „Verfassungsmünze“ aus dem Jahr 1922 zeigte erstmals mit dem neuen Reichsadler das neue Staatssymbol. Das 3-Mark-Stück aus Duralaluminium verlor im Zuge der Inflation sehr schnell seinen Wert.

Im Jahr 1929 folgte zum 10-jährigen Republikgeburtstag das von Rudolf Bosselt (1871–1938) entworfene silberne 3-Mark-Stück mit einer Schwurhand und dem Bildnis des Reichspräsidenten, das als nobler „Verfassungstaler“ in 3.010.000 Exemplaren in fast jedes Portemonnaie gelangte.

 

Darüber hinaus gab der Reichspräsident Siegermedaillen für die an diesem Tag beliebten Sportwettkämpfe heraus. Die Medaille des Jahres 1928, ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, entwarf Hans Schwegerle. Ein Jahr später folgte ein Entwurf von Josef Wackerle (1880–1959).

 

Ebenfalls in diesem Jahr schuf Karl Müller (1888–1972) zwei sehr interessante Medaillen auf die Sportwettkämpfe zum Verfassungstag in Halle.

 

1931 wurde die Feier mit dem Gedenken an den bedeutenden preußischen Reformer Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr von und zum Stein (1757–1831) verbunden, dem Rudolf Bosselt mit seiner Medaille ein Denkmal setzte.

 

Die Münzen und Medaillen dienten zweifellos dazu, die Bekanntheit und Akzeptanz des Feiertages zu erhöhen. Sie sind keine einfachen Erinnerungssouvenirs. Ihre stilistische Vielfalt dokumentiert die künstlerische Freiheit in der Weimarer Republik, die der künstlerischen Moderne auch in öffentlichen Ehrenzeichen Raum gab.