Das Besondere Kunstwerk N° 21

Wilhelm Lehmbruck zum 100. Todestag

 

06.06.2019 – 25.08.2019

Der Selbstmord des gerade 38 Jahre alten Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (* 1881 in Duisburg-Meiderich) am 25. März 1919 in seinem Berliner Atelier erschütterte die Kunstwelt und wirft bis heute ein tragisches Licht auf eines der großartigsten Lebenswerke in der deutschen Kunst. Schon zu seiner Zeit galt Lehmbruck als Bildhauer, der eindringlich auf Geistig-Seelisches verwies. Die Verinnerlichung seiner Figuren geht einher mit der expressiven Steigerung ihrer sensibel modellierten, langgliedrigen Formen.

Die Plastik Kleine Sinnende erwarb Max Sauerlandt (1880–1934), erster amtlich bestellter Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), 1913 über die Kunsthandlung Cassirer (Berlin). Sie zeigt noch die femininen Formen von Lehmbrucks frühen Werken, die von Aristide Maillol (1861–1944) beeinflusst sind, ist aber bereits ganz in sich versunken und nach außen abgeschlossen. Den Widerstreit zwischen Ethik und Trieb, zwischen heilem Sein und dessen Bedrohung polarisiert Lehmbruck in Weib und Mann. Diese Sicht auf den Menschen wird motivisch und thematisch in seinen Grafiken vertieft.

Obwohl Lehmbruck im Nationalsozialismus zu den als „entartet“ diffamierten Künstler zählte, wurden seine Werke in Halle nicht beschlagnahmt.