Anna Franziska Schwarzbach

10.04.2022 — 28.08.2022

 

Im September 2019 beging die Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach ihren 70. Geburtstag. Dieses Jubiläum nimmt das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zum Anlass, der Künstlerin eine große Personalausstellung auszurichten – die erste umfassende Werkschau Anna Franziska Schwarzbachs in einem Kunstmuseum überhaupt.

Seit Abschluss ihres Studiums an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee im Jahr 1973 hat Anna Franziska Schwarzbach in fünf Jahrzehnten ein beachtliches Œuvre geschaffen. Die Schau zeigt Werke der Künstlerin, die sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland entstanden sind. Gut nachvollziehbar ist so, wie die Künstlerin ihr Werk konsistent, stringent und in sich ruhend gegen alle gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Beeinflussungen entwickelt hat.
 

Als Tochter des Bildhauers Hans Brockhage (1925–2009) studierte Anna Franziska Schwarzbach zunächst Architektur bei Selman Selmanagić an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Nachdem sie in diesem Beruf zwei Jahre am Berliner Palast der Republik arbeitete, studierte sie in Berlin-Weißensee Porträtplastik. Seit 1977 ist sie freischaffend als Bildhauerin tätig. In bewusster Abgrenzung vom Œuvre ihres Vaters mied Anna Franziska Schwarzbach bewusst eine abstrakte Bildsprache und das Material Holz. Auf diese Weise fand sie zu dem ihr eigenen Material und der damit verbundenen Technik, dem Eisenkunstguss, in dem sie sich über viele Jahre vorzugsweise artikulierte.

Ausdrucksstarke Porträtplastiken entstanden ebenso wie anonyme Figuren oder allegorische Darstellungen. Neben dem Eisen eignete sich die Künstlerin weitere bisher nicht unbedingt weiblich konnotierte Materialien und Techniken an, wie großformatige Arbeiten in Stein, Beton oder auch der klassischen Bronze belegen. Wachs und Gips runden die Vielfältigkeit ihrer Ausdrucksmittel ab. Als etablierte und eigenständige Künstlerin begann sie in späteren Jahren, sich auch im Holz – dem Material ihres Vaters – auszudrücken und erzielte auch hier sich in ihre Bildsprache und ihr Œuvre organisch einfügende, gültige Werke.

Parallel entstanden während allen Schaffensphasen Arbeiten auf Papier, vor allem Zeichnungen, Radierungen und Steinabreibungen. Eine Besonderheit stellen Letztere dar, die die Künstlerin bevorzugt mit dem japanischen Begriff Takuhon beschreibt. Hierfür arbeitet sie das Motiv zunächst aus einem Stein als Flachrelief heraus, bevor sie es im Frottageverfahren durchreibt (frz.: frotter – reiben). Resultate sind eindrucksvolle expressive großformatige Blätter, die in enger Verbindung zu den zu Beginn der 2000er Jahre zeitgleich entstandenen bildhauerischen Werken stehen.

Schließlich prägt eine dritte Ausdrucksform das Œuvre der Künstlerin – die Medaille. Als kleinplastisches Kunstwerk hat Anna Franziska Schwarzbach diese besondere Form des Flachreliefs zu höchster Perfektion entwickelt. Seit Jahrzehnten ist sie eine gefragte Medailleurin und hat zahlreiche Wettbewerbe für sich entschieden. Im Dezember 2020 erhielt Anna Franziska Schwarzbach als erste Bildhauerin und als zweite deutsche Künstlerin überhaupt den renommierten J. Sanford Saltus Medal Award der American Numismatic Society.

Anna Franziska Schwarzbach hat sich als Künstlerin in einem männlich dominierten Kunstgeschehen (Kunstproduktion, Kunsthandel, Kunstvermarktung, Kunstpräsentation) mit beeindruckender Beharrlichkeit positioniert und ihr Schaffen gegen alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mechanismen verteidigt. Ohne ein feministisch motiviertes Selbstverständnis als Künstlerin zu vertreten, vermag sie, jungen zeitgenössischen Künstlerinnen Motivation, Anreiz und Vorbild für die eigene Entwicklung zu sein.

ANNA FRANZISKA SCHWARZBACH


10.04.2022 — 28.08.2022

Kurator

Thomas Bauer-Friedrich

 

Mit freundlicher Unterstützung