21. Juni 2021

Trabant digital. Mobile Displays für digitale Vermittlung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

 

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Pandemische Bedingungen erweitern Kunstvermittlung in digitale Sphären: Vermittlung, trotz Corona! Das ist unser Motto für das Jahr 2021.

 

Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

 

Innerhalb des Projektes Trabant digital sollen Museumsgäste einen Zugang zu digitalen Vermittlungsformaten erhalten, die bisher vielleicht noch keine neuen Technologien genutzt haben. Über analoge Module wollen wir eine digitale Infrastruktur schaffen, die barrierearme Interaktionen innerhalb und außerhalb des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) ermöglichen. Dafür dient eine benutzerfreundliche Oberfläche mit digitalen Inhalten, die prozesshaft mit einer Fokusgruppe aus zehn Personen unterschiedlichen Alters, Herkunft, sozialer Milieus, mit und ohne sogenannter Behinderung entwickelt wird. Sie ist innerhalb des Museums über iPads nutzbar, welche an zwei mobilen Stationen (Trabanten) und in einem Interaktionsraum verortet sind. Darüber hinaus kann sie als App auch auf das eigene Geräte heruntergeladen werden und funktioniert auch außerhalb des Museums.

 

Digitale Oberfläche

Zusammen mit dem Programmierteam DENKUNDMACH, Absolventen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Multimedia/VR-Design), entsteht als Basis für Inhalte und Anwendungen eine digitale Oberfläche. Diese Infrastruktur ermöglicht digitale Vermittlungsformate im Museum und auch außerhalb. Fester Bestandteil ist die Videochatfunktion, die Gästen virtuelle Interaktionen im Museum und ggf. in andere Liegenschaften der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ermöglichen soll. Denkbar sind Videos, Spiele, Handlungsanweisungen zum Entdecken und die Verknüpfung mit vorhandenen Onlineangeboten, wie beispielsweise virtuellen Rundgängen durch unsere Ausstellungsbereiche. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird die Oberfläche mit unterschiedlichen digitalen Inhalten über die Projektlaufzeit hinaus bespielt und digitale Vermittlung dauerhaft etabliert. Die iPad-Anwendungen sind in analoge Module eingebunden, die im Folgenden beschrieben werden.

Der Raum für Interaktionen ist eine stationäre Fläche im Museum zum Reflektieren, Begegnen, Kreativ sein oder Ausruhen. Teile davon sind modulare Sitzflächen mit integrierten Regalen und (Lade)Stationen für iPads sowie ein großer digitaler Bilderrahmen, welcher Vermitt­lungs­aktivi­täten, künstlerische Arbeiten und Dokumentationen aus Workshops zeigt. Die Entwicklung und Produktion der drei Module übernimmt das Berliner Gestaltungsbüro StiftungFREIZEIT.

Die Trabanten verstehen sich als Satelliten und Begleiter. Einer bewegt sich innerhalb des Museums (Museums-Trabant), der zweite reist an andere Orte (Reise-Trabant). Diese beiden analogen Displays fungieren als niedrigschwellige Voraussetzung für die digitale Erweiterung: Sie laden ein, Standpunkte einzunehmen, zu denken, zu sprechen, zu beobachten oder zu erforschen.

Der Museums-Trabant ist mobil und wird je nach Bedarf im Ausstellungsraum platziert. Die Nutzung scheint zunächst analog: Durch integrierte Tische, Hocker, Regale, Materialboxen und Präsentationsflächen fungiert er als interaktiver Ort, der Gäste einlädt, an nicht-personaler und digitaler Vermittlung teilzunehmen.

Der Reise-Trabant als kleinere und wetterbeständige Version trägt das Museum nach außen. Er erscheint in Form eines Fahrradanhängers oder Lastenrads und dient unter pandemischen Bedingungen dem Ausweichen ins Freie. Gleichzeitig bringt er die Kunstvermittlung als Outreach-Instrument in andere Einrichtungen strukturschwacher Gebiete in Halle. Dies ermöglicht aktiven Austausch und kulturelle Erfahrungen, auch wenn das Museum wegen eines Lockdowns geschlossen bleiben muss.

 

Das Projekt Trabant digital wird entwickelt im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR. Es wird im Laufe des Jahres 2021 umgesetzt.