01. September 2020

Weltfriedenstag

Gedenken an den 1. September 1939

Bereits nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution in Deutschland wurde die Kampagne „Nie wieder Krieg“ von der Deutschen Friedensgesellschaft und dem Bund Neues Vaterland ins Leben gerufen, deren Ziel es war, die persönlichen Erinnerungen an die Kriegsgräuel durch alljährliche Massenkundgebungen am 1. August, dem Tag des Beginns des Ersten Weltkriegs, wachzuhalten und die Menschen für die Durchsetzung einer dauerhaften Friedenspolitik zu aktivieren.

Der Krieg, der zwischen 1914 und 1918 in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde, war der erste weltweit und in den Waffen modern geführte Krieg, dessen Folgen für die Soldaten, aber auch für die Zivilbevölkerung unendliches Leid hervorbrachte.

Der Maler Otto Dix (1891–1969) erlebte von 1915 an bis zum Ende 1918 den Krieg an der Westfront, hielt dort in Bleistiftzeichnungen Ereignisse, Landschaften und Kameraden fest und verarbeitete in den 1920er Jahren alle Facetten und Folgen des Krieges sowohl in Gemälden als auch in grafischen Blättern, wovon der Radierzyklus Der Krieg (1924) ein verstörendes Kaleidoskop der Schrecken und Grausamkeiten zeigt.

 

Der Zyklus Der Krieg entstand zu einer Zeit, in der sich die Menschen von den Kriegsjahren erholten und ihn zu verdrängen suchten, als pazifistisches Manifest und Aufforderung, zukünftige Kriege zu verhindern.

Käthe Kollwitz (1867–1945) schuf im gleichen Jahr für den Mittelständischen Jugendtag der SPD in Leipzig die Lithografie zum Plakat Nie wieder Krieg! als Losung. Der junge Mann erhebt seinen rechten Arm zum Schwur und unterstreicht seinen Willen mit der an das Herz gelegten linken Hand. Sein entschlossener Blick ist in die Ferne gerichtet. Dem Gegenwind trotzend ruft der Junge die ins Plakat geschriebene und unterstrichenen Worte. Das Plakat ist, wie Pablo Picassos (1881–1973) Friedenstaube oder dessen großformatiges Gemälde Guernica (1937), das die schrecklichen Folgen für die Zivilbevölkerung der baskischen Stadt nach dem Luftangriff der deutschen Legion Condor und der italienische Corpo Truppe Volontarie am 26. April 1937 darstellt, zu einer Ikone der Friedensdarstellungen geworden und hat von seiner Aktualität und Gültigkeit nichts verloren, weshalb es auch in den 1970er und 1980er Jahren als Motiv verwendet wurde.

Blog-Beitrag zum 75. Todestag von Käthe Kollwitz

Und dennoch erlebte das 20. Jahrhundert einen zweiten weltweit geführten Krieg, dessen Folgen und Auswirkungen bis in unsere Tage spürbar sind. Kampf, Gewalt und Zerstörung zeigen sich im Medium der Fotografie, wobei es mitunter zwischen Dokumentation und Inszenierung changiert.

 

Bereits ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands am 1. September 1946, am Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen und des Beginns des Zweiten Weltkriegs 1939, der „Weltfriedenstag der Jugend“ begangen, der sich ab den frühen 1950er Jahren in der DDR als „Tag des Friedens“ oder „Weltfriedenstag“ verstetigte. Auf Veranstaltungen und Kundgebungen rief man zum Eintreten für den Weltfrieden auf. In der Bundesrepublik beging man den „Antikriegstag“ zum ersten Mal am 1. September 1957. Die „Antimilitaristische Aktion 1957“, ein Zusammenschluss von vier friedensbewegten Jugendorganisationen, demonstrierte in Frankfurt am Main gegen die allgemeine Wehrpflicht, die 1956 eingeführt worden war, gegen die militaristischen Bestrebungen in der Bundesrepublik und den Krieg im Allgemeinen.

 

Und schon die im Sommer 1945 gegründeten Vereinten Nationen versprachen zwar eine Verrechtlichung der Welt-Friedensordnung und kollektive Konfliktregelung, doch die bipolare Blockbildung der Nachkriegsordnung schuf nur ein fragiles Gleichgewicht, vor allem zwischen den Supermächten des Kalten Krieges, das sich in zahlreichen Stellvertreterkriegen sowie im atomaren Wettrüsten manifestierte. Dem standen in zahlreichen Ländern Aktionen und Proteste der Friedensbewegung gegenüber. In der DDR wurde das paraphrasierte Bibelzitat aus Micha 4 „Schwerter zu Pflugscharen“ zur wichtigen Losung zunächst der kirchlichen Friedensbewegung.

Der Maler und Grafiker Herbert Sander (1938–2018) hatte für eine als Lesezeichen verwendete Einladungskarte das Abbild der von Jewgeni Wutschetitsch (1908–1974) entworfenen Bronzeskulptur Schwerter zu Pflugscharen, die 1959 von der Sowjetunion der UNO geschenkt worden war, mit dem Schriftzug aus Micha 4 zu einem Bild vereint. Es geriet zu einem wichtigen Erkennungssymbol der Friedensbewegten und Abrüstungsbefürworter und fand auf zahlreichen Plakaten, Plaketten, Postkarten noch über das Wendejahr 1989 hinaus Verwendung.

 

In der Plakatkunst der 1980er Jahre wird das allgemeine Bedrohungs- und Auslöschungsgefühl durch die atomare Aufrüstung thematisiert.

 

Vor allem die weltweiten Konflikte und die weitere Aufrüstung veranlassten auch die Vereinten Nationen 1981 den Internationalen Weltfriedenstag (International Day of Peace) als jährlich wiederkehrenden Gedenk- und vor allem als Aktionstag jeweils am 21. September einzuführen. Er sollte ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit sein und genutzt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu beobachten und zu stärken. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Shaping Peace Together“ (Gemeinsam den Frieden gestalten).

Weitere Informationen zum „International Day of Peace“ der UNO

Informationen und Veranstaltungen zum Antikriegstag
am 1. September 2020

 

Die derzeitigen weltweiten Entwicklungen und Herausforderungen zeigen um so mehr, wie wichtig beide Gedenktage zum Weltfrieden für die deutsche Gesellschaft, aber auch für die Verständigung unter den Völkern sind.