Aktuelle Forschungsprojekte

Zu den Aufgaben eines Museums gehört neben dem Bewahren des Gesammelten auch dessen Erforschung mit dem Ziel der Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse. An dieser Stelle stellen wir Ihnen jüngst abgeschlossene oder aktuell laufende Forschungsprojekte und ihre Ergebnisse vor.

Stifter und Schenker waren und sind für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seit seiner Gründung von großer Bedeutung. Rund 900 Einzelpersonen und Institutionen übergaben dem Museum in den vergangenen mehr als 130 Jahren Schenkungen verschiedenster Art und unterschiedlichsten Umfangs.

Eine mehrteilige Ausstellungs- und Publikationsreihe, initiiert von den Freunden und Förderern des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V., wird in den kommenden Jahren entlang der Museumsgeschichte die Entwicklung der Sammlungen durch bürgerschaftliches Engagement aufzeigen.

Aus Löbnitz bei Delitzsch gelangten 1949 in Folge der Bodenreformgesetzgebung in der Sowjetischen Besatzungszone drei Holztafelgemälde in das Museum. Es handelt sich um bedeutende Werke der Reformationszeit, aus denen die Darstellung des Jüngsten Gerichts als lutherisches Propagandabild hervorragt. Sie stammen aus dem Schloss der mit Luther eng verbundenen Familie von Schönfeldt.

Eines der Gemälde, die Auferstehung Christi darstellend und mit 1562 datiert, war in Vorbereitung auf die Cranach-Ausstellung 1972 restauriert worden. Die beiden anderen Bilder mit dem Jüngsten Gericht und der fragmentarisch erhaltenen Kreuzigung Christi waren aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht ausstellungsfähig. Sie konnten in einem dreijährigen Restaurierungsprojekt (finanziert durch die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. mit großzügiger Unterstützung von Dr. Hanna Leistner) von Diplom-Restaurator Tino Simon an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden kunsttechnologisch untersucht und restauriert werden.

Aufgrund der kunsthistorischen und kunsttechnologischen Untersuchung konnte die Tafel mit dem Jüngsten Gericht auf die Zeitspanne von 1570 bis 1580 datiert und zusammen mit dem Auferstehungsbild der Werkstatt Lucas Cranachs des Jüngeren (1515–86) zugeschrieben werden. Das Fragment der Kreuzigung Christi wurde wegen der stilistischen Unterschiede einer anonymen sächsischen Werkstatt aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts zugeschrieben.

Insgesamt bestätigen die Untersuchungen die neuere kunsthistorische Vorstellung einer sehr stark arbeitsteiligen Cranach-Werkstatt, in der stets mehrere Künstler an einem Bild arbeiteten. Alle Werke waren 2016/17 im Rahmen der Ausstellung Kunstsammlungen Sachsen-Anhalt. Begegnungen. Von Cranach bis Holbein ausgestellt.

Mit der Übernahme des bildkünstlerischen Nachlasses von Einar Schleef im Jahr 2004 begann auch seine Inventarisierung. Ziel war es, ein Verzeichnis der mehr als 7 100 Gemälde und Arbeiten auf Papier zu erstellen und den Bestand der Forschung zugänglich zu machen. Begonnen wurde die Arbeit von der Kunsthistorikerin Ulrike Zwanzig, Halle (Saale), die bis auf wenige Ausnahmen den gesamten Bestand in einer ersten Datenbank verzeichnete.

Um die Online-Publikation zu erreichen, wurde 2017 bis 2019 die von Ulrike Zwanzig begonnene Inventarisierung Werk für Werk überprüft, ergänzt und neu systematisiert sowie die Datensätze mit reproduktionsfähigen Abbildungen verknüpft. Für diese umfangreiche Aufgabe konnte der Theater- und Kulturwissenschaftler Marko Kloß, Leipzig, gewonnen werden, der sich bereits seit 2008 intensiv mit Leben und Werk Einar Schleefs auseinandersetzt.

Die Überprüfung und Korrektur der bisherigen Inventarisierung ist nun ergänzt um Schlagworte (zu Personen, Orten, Zeitpunkten), die sich aus den einzelnen Werken ergeben. So fließen Kloß‘ profunde Kenntnisse über das Leben des Universalkünstlers in die Datenbank ein. Im Ergebnis bietet die datenbankgestützte Onlinepublikation erstmals die Möglichkeit für einen umfassenden Blick auf den als Bildarchiv zu verstehenden bildkünstlerischen Nachlass Einar Schleefs und ermöglicht damit die weiterführende wissenschaftliche Erforschung seines bildkünstlerischen OEuvres.

Der bildkünstlerische Nachlass Einar Schleefs

Kabinettpräsentation „Ohne Titel [EINAR SCHLEEF]“
(30.05.2019 – 11.08.2019)