Aktuelle Forschungsprojekte

Zu den Aufgaben eines Museums gehört neben dem Bewahren des Gesammelten auch dessen Erforschung mit dem Ziel der Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse. An dieser Stelle stellen wir Ihnen jüngst abgeschlossene oder aktuell laufende Forschungsprojekte und ihre Ergebnisse vor.

Jüngstes Beispiel ist die Dokumentation der Erwerbungen aus der Steckner-Stiftung 1905 bis 1911. Von 2013 bis 2017 wurden, finanziert durch die Freunde und Förderer des Museums an der Hochschule für bildende Künste in Dresden zwei Tafelgemälde aus dem 16. Jahrhundert restauriert, die infolge der Untersuchungen u. a. der Werkstatt Lucas Cranach d. J. zugeschrieben werden konnten. Derzeit laufen die vollständige Erfassung und Erforschung des mehr als 7.000 Objekte umfassenden Nachlasses von Einar Schleef sowie Recherchen zur Sammlungsgeschichte in Vorbereitung der Ausstellung Bauhaus Meister Moderne ab September 2019.
 

 

Stifter und Schenker waren und sind für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seit seiner Gründung von großer Bedeutung. Rund 900 Einzelpersonen und Institutionen übergaben dem Museum in den vergangenen mehr als 130 Jahren Schenkungen verschiedenster Art und unterschiedlichsten Umfangs. Eine mehrteilige Ausstellungs- und Publikationsreihe, initiiert von den Freunden und Förderern des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. wird in den kommenden Jahren entlang der Museumsgeschichte die Entwicklung der Sammlungen durch bürgerschaftliches Engagement aufzeigen.

Die erste Ausstellung im Winter 2017/18 widmete sich unter dem Titel 1905: Die Reinhold-Steckner-Stiftung einer der wirksamsten Einzelstiftungen für das Museum. Während mit der einen Hälfte der 1905 durch die Familie des erfolgreichen Bankhauses Steckner gestifteten 100.000 Mark der Ausbau der Moritzburg als Kunstmuseum vorangetrieben wurde, konnten bis 1911 mit der anderen Hälfte 19 Gemälde und drei Plastiken für die Sammlung erworben werden. Darunter befanden sich Werke so bedeutender Künstler wie Max Liebermann, Max Klinger oder Max Slevogt.

In der Vorbereitung des vermeintlich gut vorerforschten überschaubaren Konvoluts traten sehr schnell die Wissens- und Dokumentationslücken zu einzelnen Sammlungsobjekten zutage. Es bedurfte teils aufwendiger Recherchen in den halleschen Bibliotheken und Archiven, um die Provenienz und Erwerbsgeschichte aller Werke dokumentieren zu können. Im Ergebnis liegt mit der Ausstellungspublikationein erstes vollständiges Verzeichnis dieses Konvoluts vor, mit dem Max Sauerlandt als erster Direktor zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Sammlungen des Museums gezielt erweitern und die Grundlagen für dessen Entwicklung zu einem der führenden Museen für die Kunst der Moderne in Deutschland legen konnte.

Aus Löbnitz bei Delitzsch gelangten 1949 in Folge der Bodenreformgesetzgebung in der Sowjetischen Besatzungszone drei Holztafelgemälde in das Museum. Es handelt sich um bedeutende Werke der Reformationszeit, aus denen die Darstellung des Jüngsten Gerichts als lutherisches Propagandabild hervorragt. Sie stammen aus dem Schloss der mit Luther eng verbundenen Familie von Schönfeldt.

Eines der Gemälde, die Auferstehung Christi darstellend und mit 1562 datiert, war in Vorbereitung auf die Cranach-Ausstellung 1972 restauriert worden. Die beiden anderen Bilder mit dem Jüngsten Gericht und der fragmentarisch erhaltenen Kreuzigung Christi waren aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht ausstellungsfähig. Sie konnten in einem dreijährigen Restaurierungsprojekt (finanziert durch die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. mit großzügiger Unterstützung von Dr. Hanna Leistner) von Diplom-Restaurator Tino Simon an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden kunsttechnologisch untersucht und restauriert werden.

Aufgrund der kunsthistorischen und kunsttechnologischen Untersuchung konnte die Tafel mit dem Jüngsten Gericht auf die Zeitspanne von 1570 bis 1580 datiert und zusammen mit dem Auferstehungsbild der Werkstatt Lucas Cranachs des Jüngeren (1515–86) zugeschrieben werden. Das Fragment der Kreuzigung Christi wurde wegen der stilistischen Unterschiede einer anonymen sächsischen Werkstatt aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts zugeschrieben.

Insgesamt bestätigen die Untersuchungen die neuere kunsthistorische Vorstellung einer sehr stark arbeitsteiligen Cranach-Werkstatt, in der stets mehrere Künstler an einem Bild arbeiteten. Alle Werke waren 2016/17 im Rahmen der Ausstellung Kunstsammlungen Sachsen-Anhalt. Begegnungen. Von Cranach bis Holbein ausgestellt.

Mit der Übernahme des bildkünstlerischen Nachlasses von Einar Schleef im Jahr 2004 begann auch seine Inventarisierung. Ziel war es, ein Verzeichnis der etwa 7.000 Gemälde und Arbeiten auf Papier zu erstellen und den Bestand der Forschung zugänglich zu machen. Begonnen wurde die Arbeit von Ulrike Zwanzig, Halle (Saale), die bis auf wenige Ausnahmen den gesamten Bestand in einer Datenbank verzeichnete. Mit Blick auf das 75. Geburtsjubiläum Einar Schleefs im Jahr 2019 soll der Nachlass nun über eine Online-Plattform im Internet allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Um dies zu erreichen, werden die von Ulrike Zwanzig begonnene Inventarisierung Werk für Werk überprüft und ergänzt, Fehler bereinigt sowie die Datensätze mit reproduktionsfähigen Abbildungen verknüpft. Für diese umfangreiche Aufgabe wurde der Theater- und Kulturwissenschaftler Marko Kloß, Leipzig, gewonnen, der sich bereits seit 2008 intensiv mit Leben und Werk Einar Schleefs auseinandersetzt.

Die Überprüfung und Korrektur der bisherigen Inventarisierung wird ergänzt um Schlagworte (zu Personen, Orten, Zeitpunkten), die sich aus den einzelnen Werken ergeben. So fließen Kloß‘ profunde Kenntnisse über das Leben des Universalkünstlers in die Datenbank ein und ermöglichen eine weiterführende wissenschaftliche Erforschung seines bildkünstlerischen Œuvres.

Der bildkünstlerische Nachlass Einar Schleefs